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Samstag, 4. August 2018

Rosige Sanette

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Hallo Ihr Lieben,
in der letzten Zeit lese ich auf Facebook immer wieder über Kritik an den gewerblichen Profi-Näherinnen, den zu perfekten Photos, über die man am liebsten hinwegscrollt, und - anscheinend besonders verwerflich - an langen Texten.




Ich dachte, ich erzähle Euch dann mal, wie so das Nähen und Schreiben bei einer angeblichen Profi-Näherin so abläuft.




Zum einen meine wilder Profi-Nähintergrund: Ich nähe seit circa vier Jahren und habe wie so viele einfach mal begonnen, komplett autodidaktisch und ohne jeden Nähkurs. Learning by doing und auch gern mit Youtube-Videos als Hilfe.




Gewerblich ist hier so gar nichts, das übrigens auch eine sehr bewusste Entscheidung, immerhin gibt es in meinem Leben einen mich durchaus ausfüllenden Brotjob als Lehrerin. Das Nähen ist allein mein Hobby, mein Ausgleich, quasi meine Form des Yogas zum Job und zum wuseligen Alltag.




Ich gebe zu, ich habe immer öfter, wie auch hier, das Glück, dass ich netterweise Stoffe zum Vernähen zugeschickt bekomme. Das freut mich auch wirklich sehr und es ist ein tolles Geschenk.
Wie hier diesen wunderbaren weichen grau melierten Viskosejersey mit den petrolfarbenen Rosen, den mir das Wunderland der Stoffe netterweise zugesandt hat.




Trotzdem werden Designnäherinnen wie ich nicht ansatzweise reich, sondern investieren vor allem eines: unsere Zeit. Schnittmuster müssen ausgewählt, gegebenenfalls geklebt, Stoffe gewaschen und zugeschnitten werden, dann wird genäht, gebügelt, Bilder werden gemacht und bearbeitet.
Zu guter Letzt werden Texte geschrieben. Diese müssen an in die verschiedenen sozialen Netzwerke eingepflegt werden und dort auch noch begleitet werden.




Versucht man für diese Arbeitsleistung einen Stundenlohn zu errechnen, landet man bei Beträgen, für die nicht einmal mein Dreizehnjähriger auch nur einen Finger rühren würde. Man macht sowas also nicht als Profi, sondern nur aus Leidenschaft und Begeisterung für unser schönes Hobby.




Nun zu meinen wunderbaren Arbeitsbedingungen, auch sehr professionell. Ich habe kein Nähzimmer, sondern ich nähe im Wohnzimmer am Esstisch, quasi mittendrin im Chaos. Meine Nähmaschinen, auch alles totale Profigeräte: meine Nähmaschine ist eine relativ einfach gehaltene Pfaff und meine Overlock ist ein Gebrauchtgerät für mal eben 200 Euro.
Meine Nähutensilien sind also keine Porsches unter den Nähmaschinen, sondern ganz einfach stinknormales Handwerkszeug.




Dazu gibt es noch einen kleinen Plotter und eine hauptsächlich im Keller stehende Coverlock. Die aber auch nur dort steht, weil ich meist zu faul zum Umfädeln bin.




Ein weiterer Kritikpunkt an uns "Profis" sind die ach so professionellen Photos. Diese hier hat mein heißgeliebter Profiphotograf gemacht: mein zehnjähriger Sohn. Ist er gerade nicht verfügbar, tut es auch mein Funkauslöser (15 Euro) samt Stativ (ich meine 18 Euro). Also auch eine hochprofessionelle Ausrüstung, die die einfachste aller einfachen Spiegelreflexkameras ergänzt.




Ach ja, ich vergaß meine hochprofessionellen Photohintergrund: die Garage meines Nachbarn.




Darüber hinaus möchte ich anfügen, dass das Nähen der einzige Bereich meines Lebens ist, in dem ich erlebt habe, dass einem eine gewisse Professionalität angekreidet wird. Das habe ich kaum jemals erlebt: weder beim Arztbesuch, noch in der Autowerkstatt oder in Schule. Eigentlich immer wurde Professionalität gewünscht oder sogar eingefordert.




Aber um es noch einmal zusammenzufassen: Hier näht eine Wald- und Wiesennäherin seit ungefähr vier Jahren einfach im Wohnzimmer vor sich hin und macht Bilder mit einer recht simplen Kamera-Ausstattung vor der Garage des Nachbarn photografiert vom zehnjährigen Sohn.




Dass ich es neben dem Nähen einfach noch mag, Photos zu machen (übrigens viel lieber von meinen Kindern als von mir) und Texte zu schreiben, hat sich einfach entwickelt und gehört für mich zum Hobby dazu.



Und nein, ich habe keine Lust auf verwackelte Spiegel-Selfies im Gästeklo. Ich finde es vollkommen okay, wenn jemand solche Bilder zeigen möchte, weil auch für mich das Genähte im Vordergrund steht, ganz viel Respekt dafür, aber ich sehe sowohl in meiner Näherei als auch in meinen Bildern eine Entwicklung und werde auf meinem Weg weitergehen.

Warum ich das Ganze durchaus intensiv betreibe? Weil es mich total freut, wie viele liebe Menschen mittlerweile meine Näherei begleiten. Es macht mich wirklich stolz, dass ich immer wieder höre, dass mein kleiner Blog, einmal aus Spaß begonnen, um meiner Mami die Bilder ihrer von mir benähten Enkel zu zeigen, es anscheinend schafft, viele Frauen zum Nähen zu motivieren. Vielleicht liegt das auch gerade daran, dass ich eben auch nur eine stinknormale Wald- und Wiesennäherin bin.

Dafür danke ich Euch von Herzen! Und ich danke für die mittlerweile rund 350.000 Klicks auf meinen Blog, die rund 5000 Follower auf Facebook und die immerhin auch schon über Tausend auf Instagram, die sich dort meine Bilder anschauen. Ihr seid phantastisch und ich freue mich über jeden einzelnen lieben Kommentar! DANKE!

Und jetzt ab damit zum Woman on fire.



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