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Montag, 15. August 2016

Sila No. 2

Hallo Ihr Lieben,
Ich habe noch eine Sila von tragmal für Euch. Diesen Kleiderschnitt mag ich ja sehr.
Diese hier ist schon ein bisschen herbstlicher angehaucht, sowohl von der Stoffwahl als auch von den Ärmeln her.

Und mit ihm Gepäck trage ich gerade mein leicht schlechtes Gewissen mit mir herum.
Geht Euch anderen Nähsüchtigen dort draußen das auch so?
Einerseits ist es ja natürlich schön, dass sich jedes Familienmitglied von oben bis unten selbstgenäht präsentieren kann - und das wahrscheinlich ein paar Tage am Stück - und das auch durchaus stolz tut.
Aber andererseits frisst dieses Hobby auch einfach viel Zeit.





Meine Kinder meckern schon des öfteren mit mir, wenn ich mich wieder hinter die Nähmaschine verdrücke und ihnen statt des benachbarten Parks nur der heimische Garten bleibt.
Ich finde es immer noch schwer, da ein gesundes Gleichgewicht hinzubekommen. Denn es ist ja nicht nur die Näherei, sondern es ist ja auch das Photografieren, das Bearbeiten der Photos, das Schreiben der Texte für den Blog und Facebook als Riesenzeitfressmaschine.







Und dann denke ich mir wieder, dass es wichtig ist, dass auch die Kinder lernen, dass ich neben ihnen noch andere Inhalte im Leben haben. Zumal ich mich nicht erinnern kann, dass meine Eltern damals als permanentes Bespaßungsprogramm hergehalten hätten.  Woher rührt also die permanente unterschwellige schlechte Gewissen?




Dabei ich heute schon die großen Jungs zum Fußball gebracht habe, mit dem Kleinen einen Spaziergang gemacht, mit ihm Blumen gesammelt und gepresst, ihm vorgelesen und seinem Bauwerk Beachtung geschenkt habe und dann mit ihm einkaufen war.
Ach ja, und gleich in zehn Minuten mache ich mich mit ihm auf auf eine Radtour, um die großen Brüder beim Fußball zu bewundern.
Zehn Minuten bleiben mir also noch für diesen Blogbeitrag (oder eher sieben...).





Ich glaube, die Ursache für mein schlechtes Gewissen liegt darin, dass es in den ersten Lebensjahren dieser entzückenden Rabauken für mich kaum einen anderen Lebensinhalt gab als meine Kinder. Das Muttersein hat mich damals mit voller Wucht erwischt und ich wollte am liebsten rund um die Uhr für meine Jungs da sein.
Ich denke, bei den Jungs hat sich daraus so eine Art Anspruchshaltung auf eine zu jeder Zeit verfügbare Mutter entwickelt.




Mittlerweile nach elf Jahren Mutterschaft achte ich aber auch wieder verstärkt auf mich und meine Bedürfnisse, was den jungen Herren nicht so gefällt und mir halt immer mal wieder ein schlechtes Gewissen macht, das die Jungs auch perfekt auszunutzen wissen...

Ich glaube aber fest daran, dass es beiden Seiten nur gut tun, wenn auch Muttern ihr eigenes Ding macht. Machen die Jungs doch auch immer öfter.




Ich wäre ungern der Typ Frau, der am Ende nichts mehr mit sich anzufangen weiß, wenn die Kinder aus dem Haus sind. Und ich würde ihnen auch ungern so ein Frauenbild vermitteln, das die Mutterrolle wie einen Opferpokal vor sich herträgt.
Sie wissen, dass ich meinen Beruf liebe und sie dürfen durchaus sehen, dass es in meinem Leben noch mehr Inhalte gibt als nur den Job, ihren Vater und sie.






Wir brauchen also ein gesundes Gleichgewicht: Kinder, die sich auch mal selber beschäftigen können (und das können meine eigentlich sehr gut, wenn sie nicht gerade totale Sehnsucht nach den elektronischen Medien unseres Haushalts verspüren und im Nörgel-Modus sind) und eine Mutter, die sich auch mal Zeit für sich selbst nimmt. Es muss ja nicht gerade jeden Tag ein neues Nähprojekt entstehen.




Insofern habe ich die gute Absicht, das Probenähen etwas herunterzufahren, denn das hat mir vor den Ferien doch das ein oder andere Mal ganz schön Stress bereitet. Ich habe so viele wundervolle Stammteams, über die so tolle Projekte auf mich hereinströmen, sodass ich mich aktiv eigentlich nicht mehr um Neues bemühen sollte.




Und jetzt, jetzt schwingen der Kleine und ich uns aufs Rad - auf zu neuen Ufern.




Aber noch kurz zurück zur Sila. Hier habe ich den grünen Yolanda-Jersey verwendet und die kurzen Ärmel des Schnittmusters etwas verlängert. So ist Sila dann auch herbsttauglich.

Letzte Sätze: Sila ist übrigens sehr schnell genäht. Mit diesem Schnittmuster klaut Ihr Euer Familie kaum gemeinsame Zeit.




Und jetzt ab damit zum RUMS.

1 Kommentar:

  1. Das Kleid ist total schööööön! Gefällt mir sehr :)
    Und ich drücke die Daumen, dass dich deine Gedanken weiterbringen und du ein gutes Gleichgewicht für alles findest :)
    Liebe Grüße, Fredi

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