...

...

Sonntag, 20. Dezember 2015

Das 21. Kalendertürchen oder: Wie ich zum Nähen gekommen bin...



Hallo Ihr Lieben,
wie kommt man zum Nähen? Als Teil des etwas anderen Adventskalenders "Türchen öffne dich" möchte ich Euch diese Frage heute am 21. Dezember beantworten, zumindest in meiner sehr individuellen Variante.

Schaue ich mir meine Tage heute an, kann ich mir eigentlich nicht mehr vorstellen, dass es mal ein Leben ohne Nähmaschine gab.
Wie sinnlos.

Das Nähen hatte mein Leben immer mal wieder gekreuzt. Da gab es diese Handarbeitslehrerin in Klasse 6, die von uns ein Kissen mit ordentlichen Knopflöchern erwartete.

Und es gab natürlich meine Mutter, eine begnadete Patchworkerin, aber ich muss gestehen, dass ihre Perfektion eher einschüchternd auf mich gewirkt hat. Nach dem Motto „Sowas schaffst du nie, also fang lieber gar nicht an“. Auch wenn ich ihre genähten Geschenke so sehr geliebt habe.

Genäht habe ich immer mal wieder: Hosen gekürzt, schlichte Vorhänge genäht. Mehr nicht. Funktional, nicht zum Spaß oder aus Kreativität.

Doch dann kam „Strahleaugen e.V.“.

Mein Jüngster kam mit einem schweren Herzfehler zur Welt, einer von der Art, die massiv lebensbedrohend sind. Wir verbrachten harte Stunden an seinem Intensivbett. Die Medikamente, die er bekam, machten ihn extrem geräusch- und berührungsempfindlich. Das war vielleicht das Schlimmste für mich neben all der Angst - dass man sein Kind nicht einfach in den Arm nehmen oder auch einfach nur streicheln konnte. Wir hätten ihm damit nur Schmerzen verursacht.

Was blieb mir? Ich stellte mir vor, dass ich ihn in meine Liebe einhülle wie in eine bunte Flickendecke. Ich sah mich quasi in einem alten Schaukelstuhl sitzen, das in die Decke eingewickelte Kind in meinen Armen. Diese Vorstellung hat mich durch diese Zeit gerettet.



Mein Kleiner hat es geschafft und ist heute ein Kind, das sehr viel Liebe ausstrahlt, ein so glückliches Kind. Vielleicht ist etwas von meiner Vorstellung bei ihm angekommen.

Als er noch nicht ganz zwei Jahre alt war, schien es, als würde uns seine Krankheit wieder einholen, eine weitere OP war im Gespräch und ich fiel in ein Loch.
Da las ich durch Zufall von „Strahleaugen e.V.“, einem Verein, der für Kinder, die einen schweren Start ins Leben haben, Patchworkdecken aus Stickereien herstellt, ganz individuell für jedes Kind. Wunderschöne Kuscheldecken, die sie dann auch in harten Zeiten z.B. ins Krankenhaus begleiten würden.


Da war es wieder mein Bild von der bunten Flickendecke.


Die Vorstellung, dass sich zwölf uns ganz fremde Frauen die Zeit nehmen und sich hinsetzen und würden, um für meinen Sohn jeweils ein Motiv zu sticken und aus diesen Motiven dann eben diese besondere Decke zu nähen, hat mich sehr bewegt. Das war genau meins.


Einfach weil die Decke mich emotional genau da abholte, wo ich damals am Krankenbett meines Sohnes stand.


Und je weiter die Decke für meinen Sohn wuchs, desto mehr wollte ich auch so etwas können.


Also bestellte ich mir einfach Stoffe, schaute englische Youtube-Videos und legte los. Parallel mit der Decke meines Kleinen entstand meine erste eigene Decke. Noch recht einfach, aber es klappte. Und da meine Familie ja etwas größer ist, entstanden mit der Zeit für jedes Familienmitglied eigene Decken, Kissen usw. Hier im Bild zumindest einmal die Decken, die innerhalb unser Familie blieben. Es gibt da noch ein paar mehr für Eltern, Schwiegereltern und Patenkind.


Und auf einmal war der Sprung hin zur Kinderkleidung gar nicht mehr so groß. Jetzt füllen bergeweise Kleidungsstücke die Schränke meiner Söhne. Nähen ist mein Leben geworden.
Vor „Strahleaugen“ undenkbar.

Die wunderschöne Decke meines Kleinen, die ich Euch heute gezeigt habe, wurde genäht von der wunderbaren Silke Conrads, die „Strahlenaugen e.V.“ gegründet hat. Wie schön, dass es Menschen wie Silke gibt (und ihre vielen Mitstreiterinnen). Die liebevollen Bauernhof-Stickereien haben meinen Kleinen schon als Zweijährigen begeistert. Besonders toll findet er die Quadrate mit seinem Namen. Als er die Decke das erste Mal bei Silke begutachten durfte, lief er sie förmlich von Quadrat zu Quadrat ab. Die Decke begleitet ihn noch heute jede Nacht.

Wer also von Euch etwas Gutes tun möchte, kann sehr gern eine Spende an „Strahleaugen e.V.“ auf den Weg bringen. Auch gute Näherinnen oder Stickerinnen werden hier gern gesehen.
Hier der Link zur Website:Strahleaugen.

Ich kann Euch versichern, dass Ihr damit Kinderaugen sprichwörtlich zum Strahlen bringt.
Auch uns Eltern tut es einfach extrem gut zu wissen, dass da noch jemand ist, der an das eigene Kind glaubt und ein bisschen Unterstützung gibt.

Mein Kleiner ist damals übrigens um die erneute OP herumgekommen und macht sich momentan sehr gut. Ich glaube schon an die heilsame Wirkung von Liebe und bunten Flickendecken.



Wenn Euch auch noch die nächsten Beiträge des etwas anderen Adventskalenders interessieren, dann schaut doch mal in den nächsten Tagen bei meinen Kolleginnen vorbei:

24.  https://www.facebook.com/RocknTopsewing

Und die den tollen Adventskalender findet Ihr hier.

Kommentare:

  1. Oh was für eine schöne Aktion und die gestickten Bauernhoftiere sind wahnsinnig toll!
    Danke, für diese berührende Geschichte und die Vorstellung des Vereins!
    Habt schöne Weihnachtstage und ein glückliches neues Jahr.
    Liebste Grüße, Sandra

    AntwortenLöschen
  2. Ein ganz herzliches Dankeschön und Dir und Deiner Familie auch wunderschöne, entspannte Weihnachtstage.
    LG
    Anik

    AntwortenLöschen
  3. Das ist wunderbar und ich glaube fest an die heilsame Wirkung von Flickendecken, Kuscheltieren und Fleckerlteppichen ... ich wünsche euch allen immer viel Mut, Kraft und Liebe im Leben und Menschen die euch tragen, wenn ihr es braucht! LG Ingrid

    AntwortenLöschen
  4. Ein toller Bericht, der mich sehr bewegt hat. Ich habe auch ein nicht ganz gesundes Kind. Alles Liebe

    AntwortenLöschen